viele Grüße und herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Gerne will ich Ihnen eine Frage nach der anderen versuchen zu beantworten. 1. Kann man die Berufung zum Ordensleben höher ansehen als die zur Ehe? Grundsätzlich nicht. Man muss einmal ganz allgemein sagen, dass es nicht von der Art der Berufung abhängt, wie heilig man lebt, d.h. wie sehr man Gott Freude bereitet, sondern mit der Art, wie man seine konkrete Berufung lebt. So gibt es ja auch Heilige der Ehe, Heilige Unverheiratete, und Heilige Ordensleute und Priester. Wir sollten da also keinen Unterschied machen. Vielleicht sollte in der englischen Antwort, die ich allerdings nicht kenne, ausgedrückt werden, dass ein Gottgeweihter Mensch im Ordensleben mehr Möglichkeiten hat, Gott sehr nahe zu sein (vor allem durch das regelmäßige Gebet); aber wie ich sagte, hat das nicht mit der konkreten Heiligkeit eines Menschen zu tun. Wenn Sie sich also zur Ehe berufen sehen, dann sollen Sie innerhalb dieses Lebensprojekts Gott und die Nächsten besonders lieben. 2. Es kann durchaus sein, dass man sich konkret zur Ehe berufen fühlt, sich da aber nichts tut. Denn Gott schenkt uns zwar eine Berufung, aber er nimmt uns nie unsere freie Entscheidungskraft und -fähigkeit. Das bedeutet, dass wir schon etwas dafür tun müssen, dass eine konkrete Berufung auch in Erfüllung geht. Es ist also durchaus möglich, dass ein zur Ehe berufener Mensch nicht den richtigen Partner findet und da gibt es viele Gründe, die sich unserer Beurteilungskraft entziehen (z.B. zu wenig dafür gebetet; nicht offen für den Partner, der eigentlich schon da war; nicht großzügig; der Partner wollte nicht; sich in der Berufung irren...). 3. Bei der Berufung muss man unterscheiden: der gesunde Menschenverstand und ein Grundgefühl reichen vor allem bei einer Ordensberufung nicht aus. Denn normalerweise können sich die meisten Menschen, auch die mit einer Ordensberufung, das eheliche Leben gut vorstellen. Doch irgendwann kommt dann eine innere Erfahrung, Stimme, ein Drängen, das einen anderen Weg aufzeigt das ist der Ruf Gottes, der auf ganz geheimnisvolle Weise den konkreten Menschen trifft. Wenn dieser Ruf nie in Ihrem Herzen zu hören war, wenn Sie immer schon dachten, dass die Ehe Ihr Weg ist und Sie auch heute noch davon überzeugt sind, ohne andere Wege seriös in Betracht zu ziehen, dann können Sie sehr wahrscheinlich davon ausgehen, dass das Gott von Ihnen möchte. Das ist allerdings schwer über Internet zu sagen, und man müsste da regelmäßige Gespräche mit einem erfahrenen Priester, Ordensmann oder einer Ordensschwester führen. Man nennt das geistliche Begleitung. Liebe Sabrina, ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen ein wenig beantworten. Letzlich ist unser Glaube eine große persönliche Beziehung zu Gott, der in unserem Innern wohnt und uns leitet. Vertrauen Sie auf Ihn, befragen Sie Ihn, und er wird Sie Schritt für Schritt durch das Leben führen.
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